Apple kündigt neue KI an - aber nicht für uns
Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz eine stark überarbeitete Version seines Sprachassistenten vorgestellt. Die neue Künstliche Intelligenz soll Bildschirminhalte verstehen und programmübergreifend Aufgaben lösen. Doch während Nutzer in den USA im Herbst testen dürfen, schauen wir in Europa vorerst in die Röhre. Aufgrund unklarer rechtlicher Rahmenbedingungen startet die Anwendung weder in der Europäischen Union noch in China. Die Verfügbarkeit neuer Technologien wird für den europäischen Raum zunehmend zum großen Stolperstein.
Die EU im KI-Abseits: Auch Anthropic zieht den Stecker
Das Problem der mangelnden Verfügbarkeit in Europa zieht sich wie ein roter Faden durch diese Woche. Auch beim hochgelobten KI-Entwickler Anthropic bleiben die Bildschirme hierzulande schwarz - allerdings aus völlig anderen Gründen, die nun sogar zu einer weltweiten Sperre geführt haben. Anthropic hatte gerade erst sein Spitzenmodell für die breite Öffentlichkeit freigegeben, das in Leistungstests reihenweise Bestmarken brach.
Doch die Freude währte nur wenige Tage: Die US-Regierung hat überraschend ein strenges Exportverbot verhängt. Der Grund dafür war eine angebliche Sicherheitslücke, durch die Schutzmechanismen der KI umgangen werden konnten. Zudem gab es laut Medienberichten die Sorge, dass chinesische Gruppen auf die zugrundeliegende, noch mächtigere Version des Modells zugreifen könnten.
Anthropic wurde angewiesen, den Zugang für alle Nicht-US-Bürger sofort zu sperren. Da dies sogar die eigenen internationalen Mitarbeiter betroffen hätte, nahm das Unternehmen das Modell kurzerhand komplett vom Netz.
Somit sind wir in der EU aktuell gleich doppelt von der Nutzung der neuesten Systeme abgeschnitten. Das Paradoxe an der Situation: Der Chef von Anthropic, Dario Amodei, hatte in der Vergangenheit immer wieder davor gewarnt, dass die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz der Gesetzgebung davonläuft.
Er forderte selbst strengere Vorgaben, unabhängige Prüfungen und Pläne zur Absicherung des Arbeitsmarktes. Doch nun kritisiert er das aktuelle Vorgehen der US-Regierung scharf. Anthropic stuft die gefundene Lücke als geringfügig ein und argumentiert, dass derartige Fehler auch in anderen bekannten Modellen auf dem Markt vorkommen. Die US-Regierung habe lediglich beanstandet, dass sich das Modell mit speziellen Anfragen dazu bringen ließ, Schwachstellen in Programmiercode zu finden. Amodeis Mahnungen nach durchdachten Regeln passen also kaum zu dem jetzigen, von ihm als vollkommen intransparent empfundenen Durchgreifen der Behörden. Würde man diesen strengen Maßstab überall anlegen, würde das laut Anthropic den Start jeglicher neuer Spitzenmodelle komplett zum Erliegen bringen. anthropic.com darioamodei.com
KI im echten Leben: Fortschritte jenseits der großen Dramen
Abseits der politischen Ränkespiele gibt es auch Beispiele, wie tief die Technologie bereits in unseren Alltag vordringt
- Ein japanischer Brokkoli-Bauer nutzt KI-Sprachmodelle, um ohne teure Entwicklungsabteilung seine Felder per Satellit zu überwachen und Gewächshäuser zu steuern. chatgptpro.substack.com
- Bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft ist die Technik allgegenwärtig: Ein System erfasst Millionen von Datenpunkten, der Ball sendet Funksignale und Spielerabtastungen erkennen Abseitspositionen vollautomatisch. inside.fifa.com
- Eine neue Studie zeigt, dass eigenständig handelnde KI-Programme für komplexe Aufgaben zwar länger benötigen als eine herkömmliche Websuche (durchschnittlich 26 Minuten statt 33 Sekunden), dafür aber fertige Ergebnisse liefern und Menschen so stundenlange Arbeit abnehmen. research.perplexity.ai
- Als clevere Antwort auf die aktuellen Sperren großer Modelle feiert eine neue Methode Erfolge: Sie bündelt die Antworten mehrerer kleinerer, frei verfügbarer Modelle und erreicht damit fast die Qualität der gesperrten Spitzenreiter - zu einem Bruchteil der Kosten. openrouter.ai
Politik und neue Regeln: Firmen ohne Menschen?
Die rasante Entwicklung stellt Regierungen weltweit vor gänzlich neue Herausforderungen.
- Argentiniens kühner Plan: Die Regierung in Argentinien hat ein Gesetz für rein KI-gesteuerte Unternehmen ohne menschliche Eigentümer eingebracht. Präsident Javier Milei möchte das Land so zum am wenigsten regulierten Ort für Künstliche Intelligenz machen. Kritiker warnen vor rechtlicher Unklarheit bei Fehlern. batimes.com.ar
- Großbritannien investiert: Die britische Regierung stellt umgerechnet über eine Milliarde Euro für einen nationalen Supercomputer und die Förderung heimischer Chip-Hersteller bereit. reuters.com
Die technologische Entwicklung rast weiter, doch Politik und Handelskonflikte werden zunehmend zur Bremse - gerade für uns in Europa. Die Frage ist nicht mehr nur, was die Modelle können, sondern wer sie am Ende überhaupt nutzen darf.
