Ein Token ist die Einheit, in die Text für ein Sprachmodell zerlegt wird. Für Leserinnen und Leser des AI-Breakdown ist der Begriff wichtig, weil große Kontextfenster wie 128.000, 200.000, 1 Million oder 2 Millionen Tokens zeigen, wie viel Eingabe und Ausgabe ein Modell in einem Durchlauf verarbeiten kann; zugleich sind Tokens eine Grundlage für Kosten- und Produktivitätsvergleiche.
Kurzdefinition
Ein Token ist eine technische Verarbeitungseinheit für Text. Je nach Modell kann ein Token ungefähr einem Wortteil, einem ganzen Wort oder einem Satzzeichen entsprechen; die Umwandlung von Text in solche Einheiten heißt Tokenisierung.
Im KI-Kontext wird der Begriff vor allem dort relevant, wo es um die Größe von Kontextfenstern, um die Ein- und Ausgabe von Modellen und um die praktische Nutzbarkeit langer Dokumente geht.
Warum Tokens für KI-Modelle wichtig sind
Sprachmodelle verarbeiten Text nicht einfach als ganze Dokumente, sondern innerhalb einer begrenzten Token-Menge. Diese Menge bestimmt, wie viel Text in eine Anfrage, einen Chatverlauf oder eine Ausgabe passt.
Relevant sind zum Beispiel GPT-4 Turbo mit 128.000 Tokens und beschreibt diese Größe als stark vergrößerte Ein- und Ausgabegröße. In einer späteren Ausgabe wird dasselbe Kontextfenster als fast 100.000 Wörter eingeordnet.
Damit werden Tokens zur alltagsnahen Vergleichsgröße: Wer wissen will, ob ein Modell lange Verträge, Codebasen, Transkripte oder Dossiers verarbeiten kann, schaut häufig zuerst auf das Token-Limit beziehungsweise das Kontextfenster.
Token und Kontextfenster
Das Kontextfenster beschreibt, wie viele Tokens ein Modell in einem Durchlauf berücksichtigen kann. Der Token-Begriff taucht im Newsletter deshalb besonders häufig bei Modellankündigungen mit großen Kontextfenstern auf.
Beispiele aus dem AI-Breakdown sind Claude 3 mit 200.000 Tokens, Gemini 1.5 mit bis zu 2 Millionen Tokens, InternLM 2.5 als Open-Source-LLM mit 1 Million Token und Codestral Mamba mit 265.000 Tokens für Ein- und Ausgabe.
Diese Beispiele zeigen die Entwicklung: 2023 waren 128.000 Tokens eine auffällige Größenordnung, 2024 wurden Millionen-Token-Fenster zu einem wiederkehrenden Thema. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes Problem gelöst ist; die bestehende Wiki-Seite weist darauf hin, dass lange Kontextfenster kein Ersatz für Gedächtnis, Retrieval oder Verlässlichkeit sind.
Abgrenzung: Token, Parameter und Retrieval
Ein Token ist nicht dasselbe wie ein Parameter. Tokens sind die Einheiten der Eingabe und Ausgabe, während Parameter zu den gelernten Gewichten eines Modells gehören. Der Newsletter unterscheidet diese Größen indirekt, etwa wenn Grok-1 mit 314 Milliarden Parametern beschrieben wird und zugleich erwähnt wird, dass bei einer Token-Anfrage bestimmte Expertenmodelle antworten.
Ein großes Token-Limit ist außerdem nicht dasselbe wie Retrieval. Retrieval Augmented Generation bedeutet, dass relevante Informationen aus externen Quellen gesucht und in die Anfrage eingebracht werden; ein großes Kontextfenster kann viel Text aufnehmen, ersetzt aber nicht automatisch eine gute Suche, Auswahl und Prüfung der Quellen.
Praktisch heißt das: Tokens beantworten die Frage, wie viel Text ein Modell verarbeiten kann; Retrieval beantwortet eher die Frage, welcher Text überhaupt in den Modellkontext gelangen soll.
Praktische Bedeutung im KI-Kontext
Für Leserinnen und Leser ist der Begriff nützlich, um Modellankündigungen einzuordnen: 128.000, 200.000, 1 Million oder 2 Millionen Tokens sind keine abstrakten Marketingzahlen, sondern Hinweise darauf, wie umfangreich Eingaben, Ausgaben und Dokumente in einem Arbeitsgang sein können.
Die bestehende Wiki-Seite ordnet Tokens außerdem als Kosten- und Produktivitätsfaktor ein. Tokenpreise sind dabei nur ein Teil der Betriebskosten; Latenz, Tool-Aufrufe und Nachbearbeitung können ebenfalls relevant sein.
Als Faustregel für die Einordnung im KI-Kontext gilt: Je größer das Token-Fenster, desto mehr Material kann ein Modell grundsätzlich berücksichtigen; ob es daraus zuverlässig die richtige Information findet, ist eine eigene Qualitätsfrage.
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Quellen und Belege
AI-Breakdown-Ausgaben
- AI-Breakdown KW 45/2023: ChatGPT 4 - Turbo unterstützt nun 128 tausend Token und vervielfacht somit die Ein- und Ausgabegröße.
- AI-Breakdown KW 46/2023: 🤖 Neu: GPT-4 Turbo: Erweitertes Kontextfenster mit 128.000 Tokens, das sind fast 100.000 Wörter!
- AI-Breakdown KW 08/2024: title: "AI-Breakdown | KW 8 - 1 Millionen Token, Videos, Chat mit der Grafikkarte"
- AI-Breakdown KW 10/2024: 1. Claude 3 - Weiß die KI, dass wir Sie testen? Anthropic hat die dritte Version Ihrer KI vorgestellt. Ähnlich wie bei Google gibt es auch hier mit Haiku, Sonnet und Opus drei verschiedene Versionen. Alle besitzen ein Kontextfenster von 200.000 Tokens und können auch visuelle Eingaben wie Bilder verarbeiten. Opus, das mächtigste der drei, schneidet in ersten Test besser ab als ChatGPT-4. Gerade ein Test, die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, bringt eine andere Facette zum Vorschein. Dabei geht es darum, dass Informationen auch in großen Dokumenten korrekt wiedergegeben werden. Beispielsweise wurde dazu Informationen über einen Pizza-Belag zwischen Businessplänen zu Start-ups "versteckt". Nicht nur konnte Opus die entsprechende Textstelle wiederfinden und Aussagen dazu machen, nein, Opus ging sogar so weit zu behaupten, dass diese Information mit Absicht dort für einen Test platziert wurde, da sie sonst keinen Sinn ergeben würde.
- AI-Breakdown KW 12/2024: Grok wird Open Source: Mit Grok-1 hat X das aktuell das größte Open-Source LLM veröffentlicht. Es wurde mit 314 Milliarden Parametern trainiert. Es ist ein Expertenmodell, d.h. es besteht aus 8 Experten Modellen von denen jeweils 2 pro Token Anfrage antworten. Das System stellt nicht nur eine positive Bereicherung der Szene dar. Das System verfügt über keine Filter und kann dadurch auch einfach missbräuchlich eingesetzt werden. Die benötigte Hardware kostet zwar tausende Euro, trotzdem stellt sich die Frage, ob solche Modelle ohne Sicherheitsfeatures veröffentlicht werden sollten.
- AI-Breakdown KW 20/2024: title: "AI-Breakdown | KW 20 - OpenAI Spring Update: Omni, 4 Millionen Token"
- AI-Breakdown KW 21/2024: Gemini 1.5 mit bis zu 2 Millionen Token Kontext Fenster
- AI-Breakdown KW 27/2024: 2 Millionen Token: Google hat Gemini 1.5 Pro mit einem 2 Millionen Kontextfenster veröffentlicht. Das ist mehr als die gesamten Werke von Harry Potter. Das Thema Kontextfenster ist somit für die meisten Anwendungen nicht mehr von Bedeutung.
- AI-Breakdown KW 28/2024: Kontext für Open Source: Mit InternLM 2.5 gibt es das erste Open Source LLM mit einem Kontextfenster von 1 Million Token. Was vor ein paar Monaten noch das große Thema war, scheint jetzt für die meisten Anwendungsfälle gelöst zu sein.
- AI-Breakdown KW 30/2024: Code Generierung: Mit Codestral Mamba hat Mistral ihr neuestes LLM speziell für die Codeentwicklung vorgestellt. Mit einem Kontextfenster von 265.000 Tokens für in- und output kann man einiges an Code erstellen. Das LLM wird auch unter der Apache 2.0 Lizenz erscheinen.
Externe Quellen
- Text generation: Offizielle OpenAI-Dokumentation als externer Bezugspunkt für Textgenerierung, Prompts, Eingaben und Ausgaben in Modell-APIs.
- Transformers documentation: Offizielle Dokumentation aus dem Transformers-Ökosystem als externer Bezugspunkt für Modelle, Inferenz und Training.